Iran: Gewalt in Belutschistan eskaliert zunehmend

Angriffe und Attentate in der Grenzprovinz

In den vergangenen Wochen kam es im Südosten Irans zu einer Serie von Angriffen, Attentaten und bewaffneten Zusammenstößen. Betroffen war die Provinz Sistan und Belutschistan, die an Pakistan und Afghanistan grenzt. Die Vorfälle ereigneten sich in der Provinzhauptstadt Zahedan und in kleineren Grenzstädten. Dabei wurden Angehörige der Revolutionsgarden, der Basij-Miliz, bewaffnete Akteure und ein sunnitischer Geistlicher getötet.

Die Region ist das Siedlungsgebiet der ethnischen Minderheit der Belutschen, die über alle drei Staaten verteilt ist. Die iranische Provinz ist eine der ärmsten des Landes und weist erhebliche Defizite in Bildung, Infrastruktur und Wasserversorgung auf. Die Mehrheit der Bevölkerung sind sunnitische Belutschen.

Ursachen der Gewalt: Diskriminierung und wirtschaftliche Not

Laut einer mit der Lage vertrauten Quelle im Iran, die aus Sicherheitsgründen anonym blieb, sind politische und wirtschaftliche Unzufriedenheit zentrale Ursachen der Gewalt. Hinzu kämen Diskriminierungserfahrungen bei Beschäftigung, Bildung, regionaler Entwicklung und religiösen Angelegenheiten. Über Jahre hätten Geistliche und andere gesellschaftliche Akteure friedlich bessere Sozialpolitik und höhere Investitionen gefordert. Da diese Bemühungen vielfach erfolglos blieben, wachse bei einem Teil der Bevölkerung die Bereitschaft zu radikaleren Methoden.

Der in Italien lebende iranische Journalist Mehdi Nakhl-Ahmadi beobachtet die Situation seit Jahren. Er sagte: „Die Sicherheitspolitik der Islamischen Republik gegenüber ethnischen und religiösen Regionen hat die Kluft in der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen diesen Regionen und anderen Teilen des Landes in den vergangenen Jahrzehnten zusätzlich vergrößert.“ Ein weiterer Faktor sei die hohe Zahl an Hinrichtungen. Die anonyme Quelle erklärte: „Die hohe Zahl an Hinrichtungen in den vergangenen Jahrzehnten ist ein weiterer Faktor, der die Unzufriedenheit verstärkt.“ Belutschen machen schätzungsweise zwei bis sechs Prozent der iranischen Bevölkerung aus, sind aber unter Hingerichteten deutlich überrepräsentiert. 2025 entfielen neun Prozent aller registrierten Hinrichtungen auf Belutschen, 2024 waren es elf Prozent und 2023 sogar 20 Prozent. Die meisten dokumentierten Hinrichtungen in der Provinz stehen im Zusammenhang mit Drogendelikten. Für viele Menschen ist der Schmuggel von Opium in den Iran und Treibstoff aus dem Land eine der wenigen Einkommensmöglichkeiten.

Neue Dynamik und grenzüberschreitende Entwicklungen

Im Dezember 2025 schlossen sich mehrere oppositionelle belutschische Gruppen im Iran unter dem Dach der Popular Fighters Front (PFF) zusammen. Beobachter sehen darin den Versuch, politische und militärische Aktivitäten stärker zu bündeln. Die Koalition entstand bereits vor Ausbruch des Iran-Krieges. Nakhl-Ahmadi vermutet, dass die Koalition Sicherheitslücken ausnutzen könnte, die durch die aktuelle Lage entstanden sind. Die veränderte Sicherheitslage könne das operative Umfeld bewaffneter Gruppen erweitern. Eine steigende Zahl von Angriffen, zunehmende Koordination und veränderte Durchführung jüngster Operationen seien mögliche Indizien für eine veränderte Dynamik.

Auch in der pakistanischen Provinz Belutschistan ist die Gewalt gestiegen. Das Pakistan Institute for Conflict and Security Studies registrierte im September 2026 insgesamt 131 bewaffnete Angriffe, im August waren es 89. Neben belutschischen Separatisten weiten auch die pakistanischen Taliban ihre Aktivitäten aus. Dadurch geraten strategisch wichtige Verkehrsverbindungen zwischen Iran und Pakistan zunehmend unter Druck. Eine eindeutige Rückführung der jüngsten Gewalt im iranischen Belutschistan auf neue Handlungsspielräume infolge des Iran-Krieges ist derzeit nicht belegbar. Doch die wachsende Zahl der Angriffe deutet auf eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage in der fragilen Grenzregion hin.

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