Brief aus London: Briten machen sich Sorgen um Deutschland

Die Briten schauen gerade sehr genau nach Deutschland – und was sie sehen, bereitet ihnen echtes Kopfzerbrechen. In britischen Medien und Politikerkreisen wächst die Besorgnis über die wirtschaftliche und politische Lage unseres größten Nachbarn auf dem Kontinent.

Was London wirklich denkt

Deutschlands Wirtschaft schrumpfte 2024 zum zweiten Mal in Folge – um 0,2 Prozent. Das ist kein Randthema mehr in der Themse-Stadt. Die Financial Times widmete Deutschland zuletzt drei Titelgeschichten innerhalb von sechs Wochen. Und das sagt einiges.

Britische Ökonomen sind direkt. „Germany used to be Europe’s engine. Right now, it looks more like a warning sign,“ sagte ein Analyst der Londoner Denkfabrik Chatham House vergangene Woche.

Dabei geht es nicht nur um Zahlen. Es geht um den politischen Drift. Die Stärke der AfD bei der Bundestagswahl im Februar – 20,8 Prozent, Platz zwei – hat in Westminster echte Schockwellen ausgelöst. Still, man redet nicht laut darüber. Aber hinter verschlossenen Türen schon.

Die Briten erinnern sich noch gut daran, wie schnell politische Stabilität bröckeln kann. Sie haben’s selbst erlebt – Brexit, drei Premierminister in einem Jahr, das Chaos von 2022. So einfach ist das mit der Schadenfreude dann doch nicht.

But es steckt auch echte Sorge dahinter. Deutschland und Großbritannien sind, trotz Brexit, wirtschaftlich tief verflochten. Bilateraler Handel: rund 130 Milliarden Euro jährlich. Ein schwächelndes Deutschland trifft auch britische Unternehmen.

Die Frage, die sich in London stellt: Schafft die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz die Wende? Die Erwartungen sind da – aber die Zeit drängt.

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