Studie: Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten wächst stark

Die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten ist in Deutschland so groß wie nie zuvor. 59 Prozent der Bevölkerung fürchten, dass ihr Geld dauerhaft nicht zum Leben reicht. Das zeigt die Studie „Ängste der Deutschen“, die die R+V Versicherung in Berlin vorgestellt hat. Für die 35. Ausgabe der jährlichen Erhebung wurden von Anfang Mai bis Ende Juli rund 2400 repräsentativ ausgewählte, deutschsprachige Bürger ab 14 Jahren befragt.

Alltag wird immer teurer

Die Sorge vor der Verteuerung des täglichen Lebens ist damit die größte Angst der Deutschen. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 52 Prozent. „Die Menschen erleben tagtäglich, wie kostspielig der Alltag inzwischen ist“, sagt Grischa Brower-Rabinowitsch, Mitarbeiter der Studie. Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki, die die Studie berät, erklärt: „Die Schlüsselpreise Energie, Wohnen und Lebensmittel sind spürbar gestiegen. Dadurch sinkt der finanzielle Spielraum für Freizeit, Urlaub und Anschaffungen.“

Die Menschen wüssten um die schwere Krise der sozialen Sicherungssysteme. Die staatliche Rentenkasse und die Pflegeversicherung seien chronisch defizitär. Einer Mehrheit sei bewusst, dass Steuern und Abgaben steigen werden. Die Angst vor höheren Steuern ist stärker als in Jahren zuvor. Dahinter stehe die Frage nach Fairness: Wer trägt die Kosten der Modernisierung? Kann man sich auf zugesagte Leistungen verlassen?

Flüchtlingsangst auf Platz drei, globale Krisen treten zurück

52 Prozent fürchten, dass die Zahl der Flüchtenden den Staat überfordert. Damit liegt diese Angst auf dem dritten Platz aller Sorgen. Globale Verwerfungen lassen die Deutschen dagegen auffällig kalt. Nur 45 Prozent fürchten, dass die Politik von US-Präsident Donald Trump die Welt gefährlicher macht. Während seiner ersten Amtszeit 2018 waren es noch 69 Prozent. Borucki spricht von einem Gewöhnungseffekt nach Jahren permanenter geopolitischer Alarmmeldungen.

Der Durchschnitt aller abgefragten Ängste liegt in diesem Jahr bei 38 Prozent – der zweit-geringste Wert seit 1991. 2016, ein Jahr nach Ankunft vieler Geflüchteter, lag der Wert bei 52 Prozent. Die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung sank von 41 auf 34 Prozent. Und nur 20 Prozent der Erwerbstätigen fürchten einen Jobverlust – der geringste jemals gemessene Wert.

Politiker bekommen Note 4,1

Für ihre Arbeit erhalten die Politikerinnen und Politiker in Regierung und Opposition die Schulnote 4,1 – gerade noch ausreichend. Borucki sieht die amtierende Regierung von Konservativen und Sozialdemokraten unter Kanzler Friedrich Merz in der Verantwortung. Sie löste im Mai 2025 die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP ab. „Nach dem Ende der Ampel verknüpften viele mit Schwarz-Rot die Hoffnung auf mehr Führung, weniger Streit und eine schnelle wirtschaftliche Wende. Das hat sich nicht erfüllt“, sagt Borucki. Zwischen Ankündigungen und Ergebnissen klaffe eine Lücke. Die Menschen seien enttäuscht und verlören Vertrauen.

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