Atommüll-Endlager gesucht: Deutschlands schwierige Mission

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll ist in Deutschland noch lange nicht abgeschlossen. Weltweit haben erst die Finnen ein genehmigtes Endlager vorzuweisen, das rund 400 Meter tief unter der Erde auf einer Insel im Westen des Landes liegt. An diesem Standort, an dem sich eines der beiden finnischen Kernkraftwerke befindet, wurde etwa 40 Jahre lang gearbeitet.

Deutschland sucht seit fast zehn Jahren

In Deutschland ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BSE) seit fast einem Jahrzehnt auf der Suche nach einem geeigneten Ort tief unter der Erde. Experten sind sich weitgehend einig, dass der Atommüll, vor allem abgebrannte Brennelemente, unter die Erde muss, weil er noch viele Tausend Jahre radioaktiv strahlt. Die Hoffnung ist, bis 2050 einen Standort gefunden zu haben. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) will prüfen lassen, ob die Suche deutlich beschleunigt werden kann.

Stephan Gabriel Haufe, Sprecher des Umweltministers, sagte am Mittwoch in der Bundespressekonferenz: „Russland, die USA, Großbritannien und Japan haben alle noch gar nicht so weit fortgeschrittene Verfahren, wie wir das haben. Finnland ist sicher das Land, das weltweit gesehen am schnellsten vorangeht . Aber Deutschland gehört mit zu der ersten Gruppe.“

Die BSE teilte diese Woche mit, dass nur noch fünf Prozent der Landesfläche Deutschlands für ein Endlager in Frage kommen, verteilt auf elf der 16 Bundesländer. Die Behörde spricht mit Geologen, Atomexperten, Physikern, Bürgerinnen und Bürgern sowie Politikern. Der Atommüll aus Jahrzehnten des Kernkraftwerksbetriebs soll im Land bleiben und nicht ins Ausland exportiert werden.

Warum die Suche so lange dauert

Dagmar Dehmer, Chefin der Kommunikationsabteilung der BSE, erklärte auf DW-Frage nach der Dauer der Endlagersuche: „Weil Sicherheit für einen sehr langen Zeitraum nachzuweisen ist. In Finnland für 100.000 Jahre, in Deutschland, der Schweiz und Frankreich eine Million Jahre. Der Aufwand ist aber unabhängig von der Zukunftsprognose immer sehr hoch. Da müssen Entwicklungen, Wechselwirkungen von Geologie und Technik und dem Zerfall der Radio-Nuklide über die Zeit miteinander in Beziehung gesetzt und auf ihre Sicherheit bewertet werden.“

Das Verfahren sieht vor, mögliche Standorte auf ihre geologische Sicherheit zu untersuchen. Dabei geht es um die Frage, ob das Gebirge in 400 Meter Tiefe standhält und ob Grundwasser kontaminiert werden kann. Geplant ist ein Ort, an dem das Lager von einer rund 100 Meter dicken Gesteinsschicht als Barriere umgeben ist. Geeignete Formationen sind Schichten aus Ton, Granit oder Salzgestein. Die Anforderungen werden Schritt für Schritt erhöht, so dass immer weniger Standorte übrig bleiben.

Andere Aspekte wie die Nähe zu großen Städten kommen erst viel später zum Tragen. Begeisterung über ein Endlager mit radioaktivem Müll wird es nirgendwo geben, weder in der Stadt noch auf dem Land. Dehmers Aufgabe ist es, für Vertrauen zu sorgen und immer wieder zu erläutern, warum die Hinterlassenschaften der Atomkraft-Zeit geregelt werden müssen, unabhängig von der persönlichen Haltung zur Kernenergie.

Finnland als Vorbild

Dehmer sieht Finnland als Vorbild: „In Finnland gibt es in hohes Vertrauen in das staatliche Handeln. Die Aufsichts- und Genehmigungsbehörde in Finnland, die Stuk, gehört zu den angesehensten Institutionen im Land. Deutschland kann von Finnland lernen, durch konstantes Dranbleiben, nicht ständig die Richtung zu ändern und die notwendige generationenübergreifende Geduld, zu einem guten Ergebnis zu kommen.“

Die Endlagerung ist sehr teuer. Die Suche nach einem Endlager und die Aufbewahrung des Atommülls an den früheren Standorten kosten pro Jahr rund 1,4 Milliarden Euro. Nach Fertigstellung des Endlagers beziffern Experten die Kosten auf rund 14 Milliarden Euro. 28.000 Kubikmeter radioaktive Abfälle sollen dann für alle Zeiten unter der Erde verschwinden.

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