Straßburg Open Day: Das Europäische Parlament öffnet sich den Bürgern
Das Europäische Parlament öffnet heute, Sonntag, 17. Mai 2026, seinen Plenarsaal in Straßburg für die Öffentlichkeit. Die jährliche Open Day, die zehntausende Besucher aus der Region Grand Est, aus Frankreich und Deutschland sowie aus dem benachbarten Ausland anziehen soll, fällt in eine Woche von symbolischer Bedeutung — eine Woche nach dem Europatag vom 9. Mai und am Vorabend der Eröffnung der Plenarsitzung am Montag.
„Come and See Democracy in Action“
Das diesjährige Motto — „Come and See Democracy in Action“ — signalisiert die Kontinuität der Bemühungen des Parlaments, die Abstraktionen des Gesetzgebungsverfahrens in eine konkrete bürgerschaftliche Erfahrung zu übersetzen. Besucher können den Plenarsaal betreten, an Quiz-Aktionen und Diskussionen teilnehmen und an geführten Touren durch die institutionellen Räume teilhaben, die normalerweise Abgeordneten und Mitarbeitern während der Plenarsitzungen vorbehalten sind.
Metsolas Outreach-Strategie
Für Roberta Metsola, die Parlamentspräsidentin seit 2022, fügt sich die Open Day nahtlos in eine kontinuierliche Kommunikationsstrategie ein, die darauf abzielt, die Legitimität der Institution in einem turbulenten politischen Umfeld zu stärken. Ihre Präsidentschaft, die nach dem Rotationsprinzip später in diesem Jahr zur Halbzeit endet, hat einen ausgeprägten Akzent auf direkter Bürgereinbeziehung gesetzt: Bildungsprogramme, Regionalbesuche und sichtbare Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit in unter Druck stehenden Mitgliedstaaten.
Ein symbolisches Jahr für die EU
Die Open Day 2026 fällt in ein besonders symbolisches Jahr. Der Europatag dieses Jahres markiert das 76-jährige Jubiläum der Schuman-Erklärung und zwei wichtige Meilensteine: 40 Jahre seit dem Beitritt Portugals und Spaniens zur damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und 40 Jahre seit den ersten offiziellen Europatag-Feierlichkeiten 1986. Für Straßburg, die Gaststadt des Parlaments seit den frühesten Tagen der Institution, untermauert die doppelte Symbolik den Anspruch der elsässischen Stadt als demokratische Hauptstadt der Union.
Der weitere Kontext
Die Open Day findet vor dem Hintergrund akuter externer und interner Drücke auf die Union statt: der andauernde Krieg im Iran und die teilweise Sperrung der Straße von Hormus, die politische Instabilität in London, wo Sir Keir Starmer mit Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert ist, und der formelle Beitritt der EU vom 15. Mai zum Sondertribunal für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine. Die Plenarsitzung, die am Montag in Straßburg beginnt, wird alle drei Dossiers behandeln.
Eine Brücke zwischen Bürger und Institution
Eine Eurobarometer-Umfrage, die zu Beginn dieses Monats veröffentlicht wurde, ergab, dass eine klare Mehrheit der Europäer Nutzen aus der EU-Mitgliedschaft sieht und die Union als Pfeiler der Stabilität und Sicherheit betrachtet. Für eine Institution, die häufig der Distanz beschuldigt wird, ist die Open Day von Sonntag in Straßburg die konkreteste Antwort, die sie geben kann — eine geführte Tour, in 24 Sprachen, durch eine Demokratie in Aktion.
Das Tagesprogramm
Das Programm umfasst geführte Touren durch den Plenarsaal, Ausstellungen zur Gesetzgebungstätigkeit des Parlaments, Kultur- und Bürgeraktivitäten für Familien sowie einen eigenen Bereich für Bildungsaktivitäten für junge Menschen. Die verschiedenen Fraktionen bieten Räume für den Dialog mit ihren Vertretern. Auch die Europäische Zentralbank wird mit Fachleuten vertreten sein, die Fragen der Bürger zum Euro, zum neuen Banknoten-Design und zum Projekt des digitalen Euro beantworten — ein Thema, das in Deutschland besonders kontrovers debattiert wird.
