Wie zukunftsfähig ist Ihre Region bis 2045?
Deutschland wird bis 2045 voraussichtlich 1,5 Millionen Einwohner verlieren. Das geht aus einer neuen Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der Wüstenrot-Stiftung hervor. Die Untersuchung bewertet die Zukunftsfähigkeit aller 400 Kreise und kreisfreien Städte anhand von 26 Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Wirtschaft, Bildung und Soziales.
Große regionale Unterschiede
Die Einwohnerzahl sinkt von heute 83,3 Millionen auf circa 81,8 Millionen im Jahr 2045. In gut zwei Dritteln der Kreise und kreisfreien Städte werden künftig weniger Menschen leben. 42 der 50 Regionen mit dem stärksten Einwohnerschwund liegen im Osten. Doch Studienleiter Adrián Carrasco Heiermann betont: „Schrumpfung ist kein ostdeutsches Phänomen.“ Auch im Westen gibt es schrumpfende Regionen, vor allem abseits der Metropolen.
Die Metropolen Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, München und ihr Umfeld wachsen voraussichtlich weiter. 18 der 20 bestplatzierten Kreise und kreisfreien Städte liegen in Bayern. Im Ländervergleich liegt Bayern hinter Hamburg und vor Baden-Württemberg. Die bayerische Wirtschaft profitiert vom Zuzug junger Arbeitskräfte. Das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem in Ostdeutschland liegt bei rund 85 Prozent des westdeutschen Durchschnitts. Die Vermögensunterschiede bleiben groß.
Die Babyboomer gehen in den kommenden Jahren in großer Zahl in Rente. Die Bevölkerung im Erwerbsalter schrumpft bundesweit um 4,7 Prozent. In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland sind es minus zwölf bis 18 Prozent. Bis 2029 könnten rund 723.000 Fachkräfte fehlen, so eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die größte Lücke klafft im Verkauf und bei der Kinderbetreuung.
Versorgung auf dem Land wird schwieriger
Die Politik hat auf schrumpfende Einwohnerzahlen bislang meist mit der Bündelung öffentlicher Angebote reagiert. Dorfläden, Schulen, Arztpraxen und Buslinien ziehen sich aus der Fläche zurück. Die Folge: immer längere Wege für die Menschen auf dem Land. „Gerade für ältere Menschen wird das zunehmend zum Problem“, sagt Manuel Slupina, Leiter Themengebiet Stadt & Land bei der Wüstenrot-Stiftung. „Es verschwinden nicht nur Versorgungsangebote, sondern auch soziale Treffpunkte.“
Slupina fordert neue Lösungen für die Versorgung. Er nennt als Beispiele multifunktionale Dorfläden, „in denen man sich nicht nur zum Einkaufen trifft, sondern auch auf einen Kaffee oder Kinoabend“. Auch Gesundheitskioske für Fragen zu Gesundheit, Pflege und Altenhilfe sowie Bürgerbusse, die Lücken im öffentlichen Nahverkehr schließen, sind für ihn Erfolgsmodelle. Marlene Brühl hat in der Altmark ein ganzes Dorf gekauft und will dort einen nachhaltigen Lebensort mit sanierten Häusern, Tiny Houses und gemeinsam genutzter Infrastruktur entwickeln. Studienleiter Carrasco Heiermann sieht die Politik in der Pflicht: Mit Vertrauen in das Engagement vor Ort und den nötigen finanziellen Mitteln könne sie dazu beitragen, „dass das Leben auch in schrumpfenden Regionen attraktiv bleibt“.
