KI-Würmer könnten bald vernetzte Haushaltsgeräte befallen

Selbstreplizierende KI-Schadsoftware könnte sich schon bald in vernetzten Haushaltsgeräten einnisten. Das geht aus einem Bericht des KI-Unternehmens Anthropic hervor. Demnach wäre dafür nicht einmal ein teurer Supercomputer nötig – viele schlecht gesicherte Smart-TVs oder andere Geräte im Internet der Dinge könnten ausreichen.

Experiment mit Android-TV-Boxen

Die Forschenden von Anthropic untersuchten, ob KI-Modelle auf vergleichsweise günstiger Hardware betreibbar sind. Im Experiment verteilten sie ein KI-Modell auf 15 preiswerte Android-TV-Boxen. Jedes Gerät übernahm einen Teil der Berechnungen. So zeigten sie, dass bestimmte KI-Anwendungen auch ohne großes Rechenzentrum ausführbar sind.

In einer kontrollierten Testumgebung errichteten sie acht weitere simulierte Android-Geräte. Das KI-Modell nistete sich in einem Gerät ein, vervielfältigte sich von dort und infizierte weitere Geräte. In vier von fünf Versuchen erreichte es alle acht Zielobjekte, im übrigen Versuch sieben von acht. Wäre das KI-Modell mit Schadsoftware bestückt, könnte es sich relativ schnell auf bislang unbekannte Umgebungen einstellen und dort Prozesse stören.

Dezentrale Struktur erschwert Eindämmung

Anders als herkömmliche Computerviren, die seit Jahrzehnten bekannt sind und einem fest programmierten Ablauf folgen, sind KI-Würmer deutlich komplexer. Sie könnten selbstständig Probleme lösen und sich an unterschiedliche Geräte anpassen. Dafür müssten sie mit anderen Betriebssystemen oder knappem Arbeitsspeicher zurechtkommen. Sie müssten selbst herausfinden, wie sie auf neuen Geräten funktionieren und wie sie Sicherheitsupdates identifizieren und umgehen.

Die Entwickler von Anthropic schätzen, dass ein solcher KI-Wurm für die Einrichtung auf einem neuen, unbekannten Gerät ungefähr ein bis zwei Tage benötigt. Besonders problematisch: Die infizierten Geräte könnten zu einem großen Bot-Netz zusammengeschlossen werden. Ein einzelnes infiziertes Gerät hat wenig Rechenleistung, aber je mehr Geräte befallen sind, desto schneller verbreitet sich die Schadsoftware. Sie wäre nicht mehr auf einen zentralen Server angewiesen, der einfach abgeschaltet werden kann, und könnte womöglich stetig hinzulernen. Die dezentrale Struktur macht die Eindämmung schwer.

Anthropic vergleicht die mögliche Entwicklung mit einem langsam wachsenden digitalen Schleimpilz. Allerdings gestalteten die Forscher den Zugang zu den Testgeräten absichtlich sehr einfach, ohne größere digitale Schutzmaßnahmen. Das Unternehmen glaubt, dass kleinere KI-Modelle womöglich noch in diesem Jahr das notwendige Leistungsniveau erreichen könnten, um sich in der realen Welt zu verbreiten.

Angriff auf Kühlanlagen in Frankreich

In Frankreich kam es in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2026 zu einem Angriff, bei dem Kühl- und Gefriersysteme zahlreicher Supermärkte manipuliert wurden. Die Temperaturen in den betroffenen Anlagen stiegen auf bis zu 50 Grad Celsius, Lebensmittel verdarben, vereinzelt kam es zu Bränden und technischen Schäden. Frankreichs Cybersicherheitsbehörde CERT-FR bestätigte zunächst zahlreiche befallene Fernsteuerungen des dänischen Herstellers Danfoss, weitete die Warnung später aber auf Systeme weiterer Hersteller aus. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauern an.

Moderne Supermärkte überwachen und steuern ihre Kühlanlagen über digitale Regler. Wartungsfirmen können aus der Ferne auf die Systeme zugreifen, etwa um Temperaturen zu kontrollieren. Teilweise veraltete Schutzsoftware könnte ein Einfallstor für die Cyberattacke gewesen sein. Bislang gibt es keine Belege, dass bei den Angriffen auf französische Kühlanlagen ein sich selbst vervielfältigender KI-Wurm zum Einsatz kam. Die jüngsten Untersuchungen von Anthropic zeigen jedoch, dass KI die Entwicklung von Schadsoftware erleichtern und ohne große Rechenleistung Angriffe auf vernetzte Geräte ermöglichen könnte. Frankreichs Cybersicherheitsbehörde empfahl allen Firmen, vernetzte Geräte regelmäßig zu aktualisieren, notwendige Sicherheitsupdates einzuspielen und unnötige Internetzugänge zu deaktivieren.

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