Großbritannien genehmigt Gasförderung vor Schottland
Britische Haushalte sollen ab dem kommenden Winter mit Gas aus dem Feld Jackdaw versorgt werden. Das Energieministerium in London erteilte die Genehmigung für die Förderung rund 240 Kilometer vor Aberdeen. Das Projekt sichert nach Angaben der Regierung Hunderte Arbeitsplätze.
Pragmatischer Ansatz trotz Klimazielen
Premierminister Andy Burnham verteidigte die Entscheidung: „Wir halten an unserem Ziel fest, auf erneuerbare Energien umzusteigen und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.“ Zugleich betonte er, dass Millionen Haushalte diesen Winter warm bleiben müssten. In einer Zeit, in der viele Menschen zu kämpfen hätten, sei es richtig, vorhandene Energiereserven verantwortungsvoll und optimal zu nutzen.
Das Projekt spaltet Burnhams Labour-Partei. Die Partei hatte beim Amtsantritt von Ex-Premier Keir Starmer 2024 versprochen, keine neuen Lizenzen für Öl- und Gasförderung in der Nordsee zu vergeben. Doch Burnham verfolgt seit seinem Amtsantritt im Sommer wiederholt einen „pragmatischen Ansatz“ bei Nordsee-Energieprojekten.
Befürworter argumentieren, dass weder Jackdaw noch das Rosebank-Feld westlich der Shetland-Inseln neue Projekte seien. Die Lizenzen seien bereits unter den konservativen Tories von der zuständigen Behörde erteilt worden. Beide Felder waren Gegenstand eines längeren Gerichtsstreits. Ein schottisches Gericht entschied im vorigen Jahr, dass die Lizenzen indirekte Treibhausgasemissionen nicht berücksichtigt hätten. Die Konzerne mussten erneut Anträge stellen.
Die Zukunft des Ölfelds Rosebank ist unklar. Energieministerin Miatta Fahnbulleh sagte laut PA, eine gesonderte Entscheidung werde „länger dauern“. Klimaaktivisten kritisierten die Genehmigung scharf. Greenpeace erklärte, sie zeige den Einfluss der „Lobbyisten der fossilen Brennstoffindustrie nach wie vor auf unsere Energiepolitik“. Stop Climate Chaos Scotland meinte, die Erschließung senke hohe Stromrechnungen nicht und gebe „dem Feuer des Klimakollapses zusätzlichen Zündstoff“. Burnham und Fahnbulleh betonten, die Genehmigung stehe im Einklang mit den britischen Klimazielen. Der Premierminister sagte, selbst auf einem ehrgeizigen Weg zur Erreichung der Klimaziele würden Öl und Gas noch jahrzehntelang Teil der Energieversorgung bleiben.
