Lagardes Abschied ist mehr als ein Personalwechsel
Christine Lagarde tritt am 7. Februar 2027 vorzeitig als Präsidentin der Europäischen Zentralbank zurück. Das reguläre Ende ihrer Amtszeit wäre erst Ende Oktober 2027 gewesen. EU-Ratspräsident António Costa gab den Rücktritt am Donnerstag bekannt, die EZB bestätigte ihn.
Lagarde hatte ihr Amt im November 2019 als Nachfolgerin von Mario Draghi angetreten. Ihre Präsidentschaft war von außergewöhnlichen wirtschaftlichen Belastungen geprägt: Wenige Monate nach ihrem Start kam die Corona-Pandemie. Danach folgten Russlands Angriff auf die Ukraine, die Energiekrise und der stärkste Inflationsschub seit Jahrzehnten. Die EZB musste ihre expansive Geldpolitik umkehren und die Zinsen kräftig anheben. Zuletzt war die Konjunktur im Euroraum schwach und die Inflation wieder gestiegen.
Hintergrund: Frankreichs Präsidentschaftswahl 2027
Seit Monaten gab es Spekulationen über einen vorzeitigen Rückzug. Ein wesentlicher Hintergrund ist die französische Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027. Der frühe Wechsel ermöglicht es, die Nachfolge noch vor der Wahl zu regeln. Frankreich zählt zu den einflussreichsten EU-Mitgliedstaaten, und Präsident Emmanuel Macron kann bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2027 an europäischen Personalentscheidungen mitwirken.
Bereits Anfang des Jahres wurde über einen Rücktritt Lagardes spekuliert. Es gibt auch Gerüchte, dass sie nach ihrem Ausscheiden den Vorsitz des Weltwirtschaftsforums in Davos übernehmen könnte. Als mögliche Nachfolger gelten der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der ehemalige Gouverneur der spanischen Zentralbank Pablo Hernández de Cos. Die EZB-Spitze wird in einem politischen Verfahren auf europäischer Ebene bestimmt.
Weitere Personalwechsel im Direktorium
Im EZB-Direktorium stehen weitere personelle Veränderungen an. Die deutsche Ökonomin Isabel Schnabel verlässt die Notenbank vorzeitig, und der irische Chefvolkswirt Philip Lane scheidet im Mai aus. Es ist denkbar, dass die Regierungen mehrere Spitzenpositionen in einem größeren Paket verhandeln. Bis Februar muss ein geordneter Übergang vorbereitet werden. Zuletzt hob die EZB den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent an – die letzte Zinsanhebung war Mitte Juni.
