Strasbourg stimmt morgen über Rechtsstaatlichkeits-Resolution zu Slowakei ab

Das Europäische Parlament wird am Donnerstag, den 21. Mai 2026, in Strasbourg im Plenum über eine Resolution abstimmen, die eine dringende EU-Reaktion auf das fordert, was deren Initiatoren als demokratischen Rückschritt in der Slowakei unter Ministerpräsident Robert Fico bezeichnen. Die Resolution, die von der Fraktion Renew Europe vorangetrieben wird, fordert die Wiederherstellung von Antikorruptionsschutzmechanismen, den Schutz des Briefwahlrechts für im Ausland lebende Slowaken sowie umfassende Untersuchungen zum mutmaßlichen Missbrauch von EU-Mitteln, unter anderem durch die Landwirtschaftliche Zahlstelle.

Die Erkenntnisse einer Fact-Finding-Mission 2025

Die Begründung für die Resolution stützt sich auf die Schlussfolgerungen einer Fact-Finding-Mission nach Bratislava, die 2025 vom Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) des Parlaments durchgeführt wurde. Dem Bericht der Mission zufolge wurden seit dem Amtsantritt der Fico-Regierung im Oktober 2023 Antikorruptionsbehörden abgebaut, die Unabhängigkeit der Justiz untergraben und Grundrechte ausgehöhlt. Die Renew-Fraktion hat die Position in ihrer Prioritätenmitteilung für die Plenarwoche unverblümt zusammengefasst: „Die Demokratie in der Slowakei ist bedroht.“

Der Rechtsstaatlichkeits-Konditionalitätsmechanismus

Die Resolution geht über politische Rhetorik hinaus. Wo Bedenken fortbestehen, wird die Europäische Kommission aufgefordert, den Rechtsstaatlichkeits-Konditionalitätsmechanismus auszulösen – ein Verfahren, das zur Aussetzung von EU-Mitteln führen kann, bis demokratische Standards wiederhergestellt sind. Der Mechanismus wurde erstmals 2022 gegen Ungarn aktiviert und hat sich seitdem zu einem der wirkungsvollsten Sanktionsinstrumente Brüssels entwickelt. Die letztendliche Entscheidung der Kommission, ob sie dem Aufruf des Parlaments folgt, wird angesichts der Höhe der EU-Transfers an Bratislava im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität und der Kohäsionsmittel politisch heikel sein.

Was die Resolution konkret fordert

Über die Forderung nach dem Konditionalitätsmechanismus hinaus nennt der Resolutionsentwurf drei spezifische Anliegen. Erstens den Abbau der slowakischen Sonderstaatsanwaltschaft und die parallele Schwächung der Nationalen Kriminalagentur, die beide hochkarätige Ermittlungen gegen politische Persönlichkeiten aufgebaut hatten, bevor sie integriert oder umstrukturiert wurden. Zweitens die Briefwahlreform, die die Möglichkeit für im Ausland lebende Slowaken einschränkt, an nationalen Wahlen teilzunehmen – eine Maßnahme, die laut Kritikern unverhältnismäßig die Diaspora betrifft, die historisch gegen die Regierungskoalition stimmt. Drittens die Vorwürfe des Missbrauchs von EU-Agrarmitteln durch die Landwirtschaftliche Zahlstelle, bei denen Oppositionsabgeordnete Dokumentation über unregelmäßige Vergaben veröffentlicht haben.

Die voraussichtliche Reaktion der Fico-Regierung

Die slowakische Regierung hat Resolutionen des Parlaments dieser Art in der Vergangenheit als Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten zurückgewiesen. Ministerpräsident Fico, der Ende 2023 nach einer Kampagne ins Amt zurückkehrte, die Anti-Brüssel-Rhetorik mit starker Opposition gegen Militärhilfe für die Ukraine verband, hat die externe Prüfung seiner innenpolitischen Agenda stets als politisch motiviert dargestellt. Die Ständige Vertretung der Slowakei in Brüssel hat es bisher abgelehnt, sich zum Inhalt des Resolutionsentwurfs zu äußern, und verwies lediglich in einer Stellungnahme darauf, dass „Fragen der Justizorganisation in die ausschließliche Zuständigkeit der Mitgliedstaaten fallen“.

Der weitere Plenarkontext

Die Abstimmung über die Slowakei findet am letzten Tag der Mai-Plenartagung statt, auf der auch die Verordnung über die Überprüfung ausländischer Direktinvestitionen, das Dossier zu den EU-Stahlschutzmaßnahmen, die Fragestunde mit der Hohen Vertreterin Kaja Kallas und die Einweihungszeremonie für den Europäischen Verdienstorden behandelt wurden. Präsidentin Roberta Metsola hat die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit in den Mittelpunkt ihrer Präsidentschaft gestellt, und die Abstimmung am Donnerstag wird als Gradmesser dafür gelesen werden, wie weit die neue politische Kräfteverteilung im Parlament bereit ist, in dieser Frage zu gehen.

Quellen: Renew Europe Plenary Priorities 18-21 May 2026; European Parliament agenda; Council of the European Union; LIBE Committee fact-finding mission report 2025.

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