Überstellung nordkoreanischer Gefangener löst Krise zwischen Ukraine und Südkorea aus
Die Überstellung zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener an Südkorea hat einen diplomatischen Konflikt zwischen Kyjiw und Seoul ausgelöst. Auslöser war eine Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der UN-Generalversammlung, in der er die Übergabe öffentlich machte. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung warf der Ukraine daraufhin einen Verstoß gegen Vertraulichkeitsvereinbarungen vor.
Streit um Geheimhaltung
Lee bezeichnete die Überstellung als sensibles Thema mit weitreichenden Folgen für Diplomatie, nationale Sicherheit und die Lage auf der koreanischen Halbinsel. Seoul drohte mit weiteren Maßnahmen, sollte sich Kyjiw nicht öffentlich entschuldigen. Die Ukraine bestreitet eine Geheimhaltungsvereinbarung. Dmytro Lytwyn, Kommunikationsberater des ukrainischen Präsidenten, sagte, es sei falsch zu verheimlichen, wohin solche Gefangenen gebracht würden.
Doch ein Berater des südkoreanischen Präsidenten widersprach. Song Ki-hwan erklärte laut Reuters, die ukrainische Seite habe um Vertraulichkeit gebeten – aus Angst vor Kritik im eigenen Land. Seoul habe zugestimmt, um die Gefangenen und ihre Familien in Nordkorea zu schützen.
Hintergründe und Folgen
Die beiden nordkoreanischen Soldaten waren im Januar 2025 bei Kämpfen in der russischen Region Kursk in ukrainische Gefangenschaft geraten. Sie äußerten den Wunsch, nach Südkorea auszureisen, da sie in Nordkorea bestraft würden. Laut südkoreanischem Geheimdienst hat Nordkorea rund 15.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands entsandt. Im Gegenzug erhält Pjöngjang Geld, Militärtechnologie und Sicherheitsgarantien.
Experten sehen die Krise auch innenpolitisch bedingt. Mykola Polischtschuk, ukrainischer Korea-Experte, sagte: „Präsident Lee Jae Myung wurde von den Ereignissen überrascht und will nun die Schuld zum Teil auf die Ukraine abwälzen.“ Die Opposition in Südkorea wirft Lee vor, die Überstellung geheim gehalten zu haben und Sympathien für Nordkorea zu hegen.
Natalija Butyrska vom Zentrum „Neues Europa“ rechnet mit einer weiteren Abkühlung der Beziehungen. „Wir müssten eigentlich natürliche Partner sein und jetzt Seite an Seite stehen, weil Nordkorea gegen die Ukraine kämpft. Aber so ist es nicht, weil es an Vertrauen fehlt“, sagte sie. Für Kyjiw wäre es besser gewesen zu schweigen, so Butyrska.
