Cannabis am Steuer: Deutschland erfasst Unfälle genauer

Deutschland verschärft die statistische Erfassung von Verkehrsunfällen unter Cannabiseinfluss. Ab sofort werden Unfälle mit Cannabis-beteiligten Fahrern in einer eigenen Kategorie dokumentiert – eine direkte Reaktion auf die teilweise Legalisierung der Droge im April 2024.

Das Statistische Bundesamt hat seine Erhebungsmethoden entsprechend angepasst. Bislang wurden Cannabis-Unfälle zusammen mit anderen Drogen unter „Rauschgift“ subsumiert, was eine differenzierte Auswertung nahezu unmöglich machte.

Neue Kategorien in der Unfallstatistik

Die Änderung betrifft die bundesweite Verkehrsunfallstatistik grundlegend. Cannabis wird nun separat von Amphetaminen, Kokain und anderen illegalen Substanzen erfasst. Das ermöglicht erstmals präzise Aussagen darüber, wie häufig Cannabiskonsum tatsächlich zu Verkehrsunfällen führt.

Experten hatten diese Differenzierung seit Jahren gefordert. Besonders nach der Legalisierung von Cannabis für den Eigengebrauch – erlaubt sind bis zu 25 Gramm für Erwachsene ab 18 Jahren – erschien eine genauere Datenlage unumgänglich.

Grenzwerte bleiben umstritten

Beim Autofahren gilt seit dem 1. Juli 2024 ein THC-Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum. Das ist deutlich strenger als in vielen anderen europäischen Ländern. Wer mit höheren Werten erwischt wird, muss mit Bußgeldern ab 500 Euro und zwei Punkten in Flensburg rechnen.

Doch die Messbarkeit bleibt problematisch. THC lässt sich noch Tage nach dem Konsum im Blut nachweisen, auch wenn die berauschende Wirkung längst abgeklungen ist. Das führt zu kontroversen Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit der Kontrollen.

„Wir brauchen verlässliche Daten, um evidenzbasierte Entscheidungen treffen zu können“, erklärte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Die neue Erfassungsmethode sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Polizei intensiviert Kontrollen

Parallel zur statistischen Neuerung haben mehrere Bundesländer ihre Verkehrskontrollen intensiviert. Bayern und Baden-Württemberg setzen vermehrt auf Speicheltests, die THC binnen weniger Minuten nachweisen können. Allein in Bayern wurden im vergangenen Quartal über 4.200 solcher Tests durchgeführt – ein Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die ersten aussagekräftigen Zahlen aus der neuen Statistik werden für Mitte 2025 erwartet. Dann wird sich zeigen, ob die Befürchtungen mancher Kritiker zutreffen oder ob Cannabis im Straßenverkehr ein geringeres Problem darstellt als angenommen. Verkehrssicherheitsexperten versprechen sich davon eine Versachlichung der oft emotional geführten Debatte.

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