Porsche setzt auf Exklusivität: Weniger Autos, höhere Preise
Porsche will künftig mit weniger verkauften Fahrzeugen mehr Gewinn erzielen. Der Sportwagenbauer plant, die Zahl der Modellvarianten um rund 20 Prozent zu senken und die Belegschaft mittelfristig um ein Viertel zu reduzieren. Damit soll die Gewinnschwelle auf weniger als 200.000 verkaufte Autos sinken. Der Durchschnittspreis im oberen Segment soll um rund 60.000 Euro steigen.
Neue Strategie: Sparen im Verborgenen, Investieren im Sichtbaren
Entwicklungschef Michael Steiner beschreibt den Ansatz so: sparen, wo Kunden es nicht merken, investieren, wo sie es sehen. Konkret bedeutet das mehr hochklassige Modelle und ein Ausbau des Sonderwunsch-Programms, bei dem Kunden ihre Fahrzeuge individuell gestalten können. Dessen Umsatz soll sich mittelfristig versechsfachen. Der Anteil besonders teurer Modelle soll von rund einem Drittel auf fast die Hälfte steigen. Bis 2030 soll der Durchschnittspreis der teuersten 10.000 verkauften Autos von 270.000 auf 330.000 Euro wachsen.
Porsche prüft zudem ein SUV, das größer und teurer als der Cayenne wäre, sowie einen zweitürigen Supersportwagen oberhalb des 911. Autoexperte Frank Schwope zeigt sich auf Anfrage von ntv.de zuversichtlich, dass neue Modelle und niedrigere Kosten dem Konzern helfen, „die Margen wieder in auskömmliche Höhen zu treiben“.
Die Halbjahreszahlen zeigen jedoch, wie nötig der Wandel ist: Von Januar bis Juni 2026 wurden weltweit 122.306 Autos ausgeliefert, 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In China fiel der Absatz um 32 Prozent auf 14.501 Fahrzeuge. Stephan Bratzel, Fachmann für Automobilwirtschaft, warnt: „Die Strategie kann helfen, Porsche wieder profitabler und widerstandsfähiger zu machen, aber sie löst das China-Problem nicht automatisch.“ Dort zählten zunehmend Software, digitale Nutzererfahrung und Preis-Leistungs-Verhältnis.
Porsche-Chef Michael Leiters will an Verbrennern und Plug-in-Hybriden festhalten, kündigt aber für das kommende Jahr elektrische Versionen von Boxster und Cayman an. Dem elektrischen Macan soll 2028 ein neues fossiles SUV zur Seite gestellt werden. Leiters betont: „Die oberen Marktsegmente verbinden eine stark wachsende Kundennachfrage mit hoher Exklusivität und attraktiver Profitabilität.“ Schwope und Bratzel halten das Vorgehen grundsätzlich für richtig, kritisieren aber, dass Porsche erst jetzt gegensteuert. Schwope wirft dem früheren Chef Oliver Blume vor, Probleme in seiner Doppelrolle bei VW und Porsche vernachlässigt zu haben. Sein Urteil: „Porsche-Chef kann kein Halbtagsjob sein!“
