NS-Dokumente an Polen übergeben: Zeugnisse der Opfer gerettet

Warschau. Polens Kulturministerin Marta Cienkowska hat am Freitag 289 Dokumente und persönliche Gegenstände von NS-Opfern an Museen, Archive und Gedenkstätten übergeben. Die Objekte stammen aus einer umstrittenen Sammlung, die ein Auktionshaus in Neuss im November 2025 versteigern wollte. Darunter befanden sich Briefe von Häftlingen aus Konzentrationslagern, Gestapo-Karteikarten und ein „Judenstern mit Gebrauchsspuren“. Cienkowska sprach von einem „Ereignis von historischer Tragweite“.

Empörung über geplante Versteigerung

Die Ankündigung der Auktion hatte in Polen und Deutschland große Empörung ausgelöst. Das Internationale Auschwitz-Komitee forderte das Auktionshaus auf, die Versteigerung abzusagen. Das Fritz Bauer Institut warnte: „Mit solchen Unterlagen dürfen keine Geschäfte gemacht werden.“ Polens Außenminister Radoslaw Sikorski schrieb auf X: „Die Erinnerung an die Opfer des Holocaust ist keine Ware.“ Er verlangte, die Gegenstände der Gedenkstätte Auschwitz zu übergeben. Sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul nannte den Vorgang „ungeheuerlich“. Schließlich sagte das Auktionshaus die Versteigerung ab.

Nordrhein-Westfalen engagiert sich

Nathanael Liminski, Europaminister von Nordrhein-Westfalen, hatte sich als erster eingeschaltet, als die Versteigerung bekannt wurde. Bei der Feier in Warschau saß er als Ehrengast in der ersten Reihe. „Wenn Erinnerung zur Ware wird, gerät die Würde ins Wanken“, sagte er. Die Opfer der Nationalsozialisten dürften nicht erneut zu Nummern in Auktionskatalogen werden. NRW brachte daraufhin einen Gesetzentwurf in den Bundesrat ein, um den kommerziellen Handel mit solchen Gegenständen zu verbieten. Der Bundesrat stimmte im Juni einstimmig zu; der Bundestag prüft derzeit die rechtliche Ausgestaltung. Liminski zeigte sich zuversichtlich, dass das Gesetz „zeitnah im Deutschen Bundestag verabschiedet werden wird“. Er regte zudem ein europaweites Verbot an.

Rettung durch Spenden

Die Auschwitz-Birkenau-Stiftung hatte die Dokumente im Januar gekauft. Wojciech Soczewica, ihr Generaldirektor, hob die Spendenbereitschaft der deutschen Gesellschaft hervor: „Mehrere hundert Menschen haben uns finanziell unterstützt, mit Beiträgen zwischen 15 und 10.000 Euro. Am Ende haben wir 140.000 Euro gesammelt.“ Die Spenden flössen weiter, und die Suche nach NS-Dokumenten sei noch nicht beendet. Ein Teil der Sammlung war bereits im Sommer an deutsche Gedenkstätten übergeben worden. Nun gingen 289 Dokumente und Gegenstände an 18 Institutionen in Polen, Tschechien, Litauen, Dänemark, den Niederlanden und Ungarn. Cienkowska erinnerte an eine Postkarte von Jan Perkowski aus dem Warschauer Gefängnis Pawiak an seine Mutter: „Es sind einige einfache Sätze. Gewöhnliche Sorge des Sohnes um seine Nächsten, festgehalten in einer Wirklichkeit, in der nichts gewöhnlich ist.“

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