Deutschland schrumpft bis 2045 um 1,7 Millionen Einwohner

Deutschlands Bevölkerung wird bis 2045 auf rund 81,8 Millionen sinken – das sind 1,7 Millionen weniger als Ende 2025. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung gemeinsam mit der Wüstenrot-Stiftung. Die Untersuchung bewertet die Entwicklung in 400 Landkreisen und Städten anhand von 26 Indikatoren aus Demografie, Wirtschaft, Bildung und sozialen Bedingungen.

Babyboomer gehen in Rente, Nachwuchs fehlt

Der Hauptgrund für den Rückgang liegt in der Altersstruktur. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre, in denen jährlich über eine Million Kinder geboren wurden, gehen nun in Rente. Danach hat sich die Geburtenrate praktisch halbiert. Instituts-Präsidentin Catherina Hinz sagt: „Die Babyboomer gehen in Rente, deutlich kleinere Jahrgänge rücken nach, die Geburtenzahlen sinken und die Zuwanderung gleicht den wachsenden Sterbeüberschuss nicht aus.“ Fast überall gibt es mehr Sterbefälle als Geburten, wie Frederick Sixtus vom Berlin-Institut erklärt. Die Bevölkerungsentwicklung einer Region hängt daher entscheidend von Zu- und Wegzügen ab.

Große Städte wachsen, viele Regionen verlieren

Die Studie zeigt: Berlin dürfte als Spitzenreiter um fast zehn Prozent wachsen. Auch Hamburg, Frankfurt am Main, München, Düsseldorf sowie Leipzig, Dresden und Potsdam legen zu. Viele Großstädte im Westen wie Bremen, Duisburg, Dortmund und Kaiserslautern verlieren dagegen an Attraktivität. Am Ende des Rankings stehen viele dünn besiedelte Gegenden, vor allem in Ostdeutschland. Dort könnte die Zahl der Erwerbsfähigen bis 2045 um bis zu 18 Prozent sinken. Bayern und Baden-Württemberg haben im Wettbewerb um Arbeitskräfte die besten Chancen, weil sie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen besser in den Arbeitsmarkt einbinden.

Handlungsbedarf für die Politik

Manuel Slupina von der Wüstenrot-Stiftung sieht viel politischen Handlungsbedarf. Er verweist auf das Grundgesetz, das gleichwertige Lebensverhältnisse anstrebt. Slupina fordert passgenaue Lösungen und mehr gestalterischen Spielraum für Kommunen. „Der demografische Wandel vollzieht sich jetzt vor unseren Augen und er ist überall spürbar“, betont Hinz. „Seine Folgen lassen sich abmildern, aber nicht mehr vermeiden und je länger wir warten, desto kleiner wird der Handlungsspielraum.“

Ähnliche Beiträge