Wirtschaftsweise halbieren Prognose: Deutschlands Wachstum 2026 nur noch bei 0,5 %
Die deutsche Wirtschaft kommt nicht in Schwung: Die Wirtschaftsberater von Bundeskanzler Friedrich Merz haben ihre Wachstumsprognose für 2026 drastisch nach unten korrigiert. Der Sachverständigenrat rechnet nun nur noch mit rund 0,5 % Wachstum des Bruttoinlandsprodukts — fast eine Halbierung gegenüber der früheren Schätzung von 0,9 %.
Krieg und Handelspolitik als Bremsen
Als wesentliche Belastungen nannten die Sachverständigen den Krieg im Nahen Osten und die US-Handelspolitik, die gemeinsam auf die Konjunktur drücken. Für 2027 wird ein Wachstum von lediglich 0,8 % erwartet. Zugleich rechnen die Ökonomen mit einer höheren Inflation als zuvor — eine ungünstige Kombination für eine Volkswirtschaft, die seit Jahren stagniert.
Eine hartnäckige Schwächephase
Europas größte Volkswirtschaft war 2023 und 2024 geschrumpft und kehrte zuletzt nur zu schwachem Wachstum zurück. Die Bundesregierung selbst hatte ihre Erwartung für 2026 bereits auf rund 1 % gesenkt. Als strukturelle Bremsen gelten hohe Energiekosten, eine schwache Auslandsnachfrage, langsame Reformen und ein Rückgang der Exporte in die Vereinigten Staaten.
Druck auf Merz
Seit seinem Amtsantritt im Mai 2025 hat Merz versprochen, die Wirtschaft mit groß angelegten öffentlichen Investitionen, höheren Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben sowie Bürokratieabbau wieder in Gang zu bringen. In einem Schreiben an seine Koalition räumte der Kanzler ein, dass die bisherigen Beschlüsse nicht ausreichten, und stellte „radikale“ Schritte in Aussicht, um die Talfahrt umzukehren.
Energie im Zentrum
Besonders die energieintensive Industrie — von der Chemie bis zur Automobilbranche — leidet unter den hohen Energiekosten, die durch den Nahostkonflikt zusätzlich befeuert werden. Die Debatte über Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China und den USA prägt damit nicht nur die deutsche, sondern die gesamte europäische Wirtschaftspolitik.
Ein schmaler Grat
Für die Koalition aus Union und SPD wächst der Druck, sichtbare Ergebnisse zu liefern. Mit einer schwächeren Prognose, anziehender Inflation und einem unsicheren geopolitischen Umfeld wird der wirtschaftspolitische Spielraum enger — gerade in einem Jahr mit mehreren Landtagswahlen.
