Pistorius will Soldaten zum Litauen-Dienst verpflichten
Verteidigungsminister Boris Pistorius plant, Bundeswehrsoldaten notfalls auch gegen ihren Willen zum Dienst in Litauen zu verpflichten. Das ist eine der weitreichendsten personalpolitischen Entscheidungen der Bundeswehr seit Jahrzehnten.
Freiwilligkeit reicht nicht mehr aus
Bislang setzte die Bundeswehr beim Aufbau der neuen Brigade in Litauen auf Freiwillige. Doch das Modell funktioniert nicht gut genug. Zu wenige Soldaten melden sich bereit, dauerhaft ins Baltikum zu wechseln – obwohl die Brigade bis 2027 voll einsatzbereit sein soll und rund 5.000 deutsche Soldaten umfassen wird.
Pistorius zieht deshalb die Konsequenz: Wer gebraucht wird, soll auch befohlen werden können. „Die Landes- und Bündnisverteidigung hat oberste Priorität, und dafür brauchen wir verlässliche Strukturen“, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. But das klingt leichter als es ist – denn Versetzungen gegen den Willen der Betroffenen bedeuten einschneidende Eingriffe ins Privatleben von Soldaten und ihren Familien.
Familien und Karrierepläne stehen auf dem Spiel
Viele Soldaten scheuen den Schritt nach Litauen, weil Partner dort kaum Arbeit finden, Kinder die Schule wechseln müssten und das soziale Netz wegbricht. So ist die Skepsis in den Kasernen spürbar. Gleichzeitig wächst der Druck durch die geopolitische Lage – Russland führt seit fast drei Jahren Krieg gegen die Ukraine.
Die NATO erwartet von Deutschland Verlässlichkeit. Und Berlin hat sich verpflichtet, eine vollständige Kampfbrigade dauerhaft in Litauen zu stationieren – das erste Mal seit dem Ende des Kalten Krieges, dass die Bundeswehr dauerhaft Truppen außerhalb Deutschlands stationiert.
Ob Pistorius mit seinem Vorstoß politisch durchkommt, ist noch offen. Still: Die Richtung ist klar. Die Bundeswehr wird in den nächsten Jahren gezwungen sein, unbequeme Entscheidungen zu treffen – für die Soldaten und für die Politik.
