»Zauberhafte Schwestern 2«: Warum die Fortsetzung überraschend gut funktioniert
Mit »Zauberhafte Schwestern 2« wagt Disney einen Schritt zurück – und trifft damit einen Nerv. Die Fortsetzung des Kultfilms von 1993 setzt auf altmodische Zaubertricks statt auf KI-generierte Effekte, und genau das macht sie so ungewöhnlich in der heutigen Blockbuster-Landschaft.
Ein Sequel, das niemand erwartet hat – und das trotzdem funktioniert
Drei Jahrzehnte nach dem Original kehren Bette Midler, Sarah Jessica Parker und Kathy Najimy als die Sanderson-Schwestern zurück. Das klingt nach einer riskanten Nostalgie-Übung. Aber der Film schlägt einen anderen Weg ein als erwartet. Statt die Originalhandlung neu aufzuwärmen, entwickelt er eine eigenständige Geschichte, die sich bewusst auf praktische Bühnenmagie und klassische Filmtricks stützt. Laut Produktionsangaben wurden bei bestimmten Szenen bis zu 40 Prozent weniger CGI-Effekte verwendet als in vergleichbaren Disney-Produktionen der letzten fünf Jahre.
Der altmodische Zaubertrick als bewusste Entscheidung
Regisseurin Anne Fletcher entschied sich früh in der Produktion für einen analogen Ansatz. Kulissen wurden physisch gebaut, Kostüme aufwändig von Hand gefertigt, und viele der Hexenflüge über Salem wurden mit echten Seilen und Harnessen gedreht – nicht am Green Screen. Das kostet Zeit und Geld. Und es sieht trotzdem besser aus.
»Wir wollten, dass die Schauspielerinnen tatsächlich fühlen, was ihre Figuren fühlen«, erklärte ein Sprecher der Produktionsfirma gegenüber der Presse. »Das überträgt sich auf die Leinwand.«
Still, man würde das nicht unbedingt von einem Studio erwarten, das sonst auf digitale Massenproduktion setzt. Aber genau hier liegt der eigentliche Trick.
Nostalgie allein reicht nicht – was den Film wirklich trägt
Der Film läuft seit seinem Streaming-Start auf Disney+ und generierte innerhalb der ersten 72 Stunden rund 3,2 Millionen Aufrufe allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zahlen, die für eine Fortsetzung respektabel sind. Yet was Kritiker überrascht hat, ist nicht die Performance, sondern die emotionale Wirkung.
Die Dynamik zwischen den drei Hauptdarstellerinnen wirkt echter als im Original. Midler, mit inzwischen 78 Jahren, trägt den Film mit einer physischen Energie, die verblüfft. Parker spielt mit spürbar mehr Selbstironie. Najimy liefert Timing, das eine ganze Reihe jüngerer Komiker blass aussehen lässt.
So entsteht etwas Seltenes: Ein Sequel, das seinen Vorgänger nicht übertrifft, aber auch nicht blamiert.
Was die Fortsetzung über das Kino von heute aussagt
»Zauberhafte Schwestern 2« ist kein revolutionärer Film. Er wird keine Oscars gewinnen und keine Diskurse auslösen. But er beweist, dass handwerkliche Sorgfalt und vertraute Gesichter noch immer funktionieren – vielleicht gerade weil das Publikum Sehnsucht nach Einfachheit hat. Für Disney könnte das eine Lektion sein, die über Halloween hinaus gilt. Ob das Studio sie annimmt, bleibt abzuwarten.
